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Niendorf 24.03.2026
Gestrandeter Wal in Niendorf: Rettungsversuche laufen auf Hochtouren
»Ich mache in Scharbeutz Urlaub und wollte den Wal sehen, der hier doch äußerst selten ist. Doch die Medaille hat zwei Seiten. Ich frage mich, ob ich dem Wal vielleicht beim Sterben zusehe«, meint Julia Mahler am Nachmittag und verfolgt, wie die Küstenwache mit zwei Booten dicht um den Wal mit hoher Geschwindigkeit kurvt, um ihn durch die ausgelösten Wellen zu bewegen. Zuvor haben Feuerwehrmänner vom Schlauchboot aus das circa zehn Meter große Tier drehen können, so dass es mit dem Kopf in Richtung Fahrrinne liegt und auch den Seilrest eines Fischernetzes entfernen können.
Doch der Wal hat nach wie vor eine geringe Überlebenschance. Sein Gesundheitszustand ist äußerst kritisch. Er ist zu stark geschwächt, hochgradig gestresst und sehr krank. Die Lübecker Bucht ist für ihn wie ein Gefängnis, aus dem er nicht den Ausgang findet und orientierungslos umher kreist und keine Nahrung findet.
Seit dem frühen Morgen sind eine große Zahl an Rettungskräften im Einsatz und betreiben Krisenmanagement. Darunter auch Experten vom Institut für Tierschutz und Wildtierforschung sowie die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. Das Gebiet ist großräumig abgesperrt, um Schaulustige fern zu halten und das Tier nicht noch mehr Stress auszusetzen. Auch der Schiffsverkehr wurde eingeschränkt. »Nähern Sie sich nicht mit SUPs, Booten oder Drohnen dem Wal, so dass das Tier für sich ist«, appelliert Polizei Pressesprecher Ulli Fritz Gerlach an die Bevölkerung.
Die Menschen sind nervös, vergehen doch viele erfolglose Stunden. Und jede verstrichene Stunde versetzt den Wal in einen schlechteren Gesundheitszustand. Die Ausarbeitung eines Rettungsversuchs der Experten läuft im Hintergrund ab.
Eine andere Sichtweise kommunizierte bei Instagram der bekannte Meeresbiologe, Forschungstaucher, Filmemacher, Fotograf, Umwelt- und Artenschützer Robert Marcel Lehmann, dessen Experten-Meinung eingeholt wurde. »Es handelt sich um ein krankes Wildtier am Ende seines Lebens. Es ist wahrscheinlich, dass es dort in den nächsten fünf Tagen sterben wird. Wir Menschen müssen uns nicht überall einmischen. Einen kranken Wal sollte man in Ruhe sterben lassen und ihn nicht noch mehr stressen. Ich wünsche mir, dass die Bevölkerung dafür Verständnis zeigt. Doch man sollte einen kranken Wal sterben lassen und der Natur ihren Lauf lassen.«
Doch vorher versuchen die Rettungskräfte noch alles, was möglich ist.













