MARITIMES
Travemünde 18.02.2026
Eine Bachelorarbeit mit Strahlkraft
Neue Ideen für den alten Leuchtturm
Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, wie sich maritime Identität im Wandel behaupten kann. Lofing beschreibt Travemünde als »historischen Küstenort an der Mündung der Trave, geprägt von Seefahrt, Lotsenwesen und der Tradition als Ostseebad«. Gleichzeitig sieht sie den Ort »zwischen maritimer Geschichte und touristischer Überformung« stehen. Ihr Ziel war es zu verstehen, »welche Bedeutungen verloren gehen und welche Rolle Innenarchitektur dabei spielen kann, zwischen Erinnerung, Gegenwart und Zukunft zu vermitteln«.
Besonders kritisch setzt sich die Studentin mit der baulichen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte auseinander. Sie schreibt, dass Travemünde »exemplarisch für den strukturellen Wandel vieler Ostseebäder« stehe. Der Ausbau des Massentourismus habe zu »starker baulicher Verdichtung und funktionaler Umnutzung« geführt. Als prägendes Beispiel nennt sie das Maritim-Hotel, das »historische Sichtachsen« gebrochen habe und in direkter Konkurrenz zum Alten Leuchtturm stehe. Während das Hotel heute das höchste Leuchtfeuer trage, habe der historische Turm seine ursprüngliche Funktion verloren. Für Lofing steht diese Entwicklung »sinnbildlich für den Verlust maritimer Orientierung und lokaler Identität zugunsten touristischer Inszenierung«.
Aus dieser Analyse entwickelt sie ein Konzept, das den Leuchtturm neu interpretiert. Ihr Projekt verfolgt das Ziel, »dem Leuchtturm sein Leuchtfeuer in neuer Form zurückzugeben und ihn als Ort der Orientierung, Erinnerung und kollektiven Reflexion neu zu interpretieren«. Herzstück ihrer Idee ist eine vertikale Lichtachse im Inneren des Turms, die das ehemalige Leuchtfeuer räumlich erfahrbar machen soll. Inspiriert von der historischen Technik der sogenannten Otterblende entstehe eine rotierende Innenstruktur, »die Licht, Rhythmus und Zeit spürbar macht«.
Gleichzeitig soll der Turm stärker als erzählerischer Ort funktionieren. Illustrationen und Materialien entlang der Lichtachse würden »die Geschichte des Turms, seines Wandels und der Veränderungen Travemündes« sichtbar machen und dem Gebäude »eine neue Stimme« verleihen.
Auch wenn es sich um eine Studienarbeit handelt, steckt darin viel Inspiration für den Umgang mit historischen Wahrzeichen. Die Arbeit zeigt, wie sich Tradition und neue Nutzungsideen verbinden lassen, ohne den Charakter eines Ortes zu verlieren. Wir sagen Danke an Johanna Lofing für diese spannende Perspektive auf den Alten Leuchtturm und freuen uns über frische Impulse, die Travemünde auch in Zukunft lebendig halten.
TA
















