WIRTSCHAFT
Travemünde 18.02.2017
Wo wohnen in Travemünde?
Interview zur Marktlage mit Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD)
Doch nicht nur Mietinteressenten, sondern auch Käufer und Bauherren sind im Seebad auf Wohnungssuche. Gebrauchtimmobilien sind in Travemünde kaum auf dem Markt. Freie Baugrundstücke haben Seltenheitswert.

Ist der Travemünder Wohnungsmarkt festgefahren? »Travemünde Aktuell« fragte den Lübecker Wirtschaftssenator Sven Schindler. TA
Wer zieht in den Strandweg?
TA: Die städtische Grundstücksgesellschaft TRAVE baut Mietwohnungen auf dem Gelände der ehemaligen Turnhalle, also praktisch direkt am Pausenhof. Sind da Konflikte aufgrund von Lärm nicht vorprogrammiert?
Sven Schindler: Beim Bauen neben einer Schule oder Kindertagesstätte sind Lärmkonflikte nie ganz auszuschließen. Der Pausenhof grenzt aber nur teilweise an die geplante Bebauung an. Zudem richtet sich das Wohnungsangebot eher an Familien als an Senioren, da dürfte das Verständnis größer sein und die Anwesenheit der Bewohnerinnen und Bewohner während der Schulzeiten geringer. Ein Vorteil ist natürlich der kurze Schulweg für im Strandweg wohnende Kinder.
TA: Können sich Mietinteressenten bereits vormerken lassen?
Sven Schindler: Theoretisch ja, praktisch reicht es vollkommen aus, sich während der Bauzeit vormerken zu lassen, wenn auch die Mieten und der Bezugszeitpunkt feststehen. Für einen Teil der Wohnungen (24 von 48 Wohnungen) werden Interessenten einen Wohnberechtigungsschein benötigen.
TA: Ist im Bereich um die ehemalige Sporthallte noch Raum für weitere Neubauten?
Sven Schindler: Nein, das Grundstück wird durch die sechs Baukörper schon voll ausgenutzt. Die Bebauung ist bereits auf die Dichte der Umgebungsbebauung abgestimmt, mehr geht nicht.
Wann geht es los am Baggersand?
TA: Wann beginnen die Bauarbeiten im Bereich Parkplatz Baggersand und Fischereihafen?
Sven Schindler: Der Satzungsbeschluss für den B-Plan Baggersand/ Fischereihafen wurde in der Sitzung der Bürgerschaft am 24.11.2016 gefasst. Obwohl die Entscheidung über den Verkauf der für das Projekt erforderlichen städtischen Fläche Baggersand erst in der Sitzung der Bürgerschaft am 26.01.2017 erfolgen soll (Die Bürgerschaft hat zugestimmt, Anm. d. Red.), kann davon ausgegangen werden, dass die Investoren möglichst schnell mit der Realisierung des Vorhabens beginnen wollen. Zuvor müssen allerdings noch die Ersatz-Parkplätze gebaut und verlagert werden.
Erfolgsstory Ostsee Karree?
TA: Im neuen Wohngebiet »Ostsee Karree« ist nur noch eines von 30 Grundstücken frei, die meisten Häuser stehen schon. Wie groß war die Nachfrage?
Sven Schindler: Die Nachfrage nach Parzellen des Ostsee Karrees war sehr lebhaft. Für jede Parzelle lagen durchschnittlich etwa zehn Bewerbungen vor, für die es ein Losverfahren unter notarieller Aufsicht gab. Für das letzte Grundstück gilt aber das Gebotsverfahren, für das auch schon fünf Nachfragen gestellt wurden. Verkürzte Aussage: das Karree hätte 10-mal so groß sein können und wäre auch fast abverkauft.
TA: Das letzte freie Grundstück im »Ostsee Karree« wird von der KWL für 180 Euro pro Quadratmeter angeboten. Bei 1.120 Quadratmetern Grundstücksgröße macht das 202.000 Euro nur für das Grundstück. Für viele Bauwillige sicher zu viel. In welcher Größenordnung werden die neuen Baugrundstücke liegen?
Sven Schindler: Die Nachfrage nach der letzten Parzelle belegt ein Kaufinteresse auch bei dem genannten Preis. Die neuen Baugebiete werden privat entwickelt und verkauft, Einschätzungen zum Verkaufspreis können daher nicht gegeben werden
Wann kommen neue Baugebiete?
TA: Der Travemünder Immobilienmarkt ist zurzeit fast leergekauft. Wie sicher ist, dass die Baugebiete Howingsbrook/Neue Teutendorfer Siedlung realisiert werden und zur Entlastung beitragen? Und wann beginnt die Vermarktung?
Sven Schindler: Der Bereich Stadtplanung und Bauordnung hat das erforderliche Bauleitplanverfahren zur Schaffung von Planungsrecht für die neuen Wohngebiete in Travemünde Teutendorfer Siedlung und Howingsbrook in sein Arbeitsprogramm aufgenommen. Beide Gebiete erfordern zusätzlich zum Bauleitplanverfahren aufwendige Verfahren zur Entlassung aus dem jeweiligen Landschaftsschutzgebiet und zur Abweichung von den Zielen der Raumordnung und Landesplanung.
Voraussichtlich wird zunächst die Planung der Neuen Teutendorfer Siedlung ab 2017 und ab frühestens 2018 ff das Gebiet Howingsbrook im Hinblick auf die genannten Verfahren begonnen.
Wie aus den Erfahrungen mit dem Ostsee Karree abgeleitet werden kann, besteht eine ungebrochene Nachfrage nach Baugrundstücken in Travemünde. Jedes mit Planungsrecht versehene und anschließend realisierte Vorhaben hilft mit, das Angebot an Bauplätzen auszuweiten und den Zuzug von Einwohnern zu ermöglichen.
Hinweis: Dieses Interview stammt aus der Ausgabe Februar 2017 von »Travemünde Aktuell«











