POLITIK 7 710
Travemünde 07.11.2016
SPD zum Fahren, Parken und Wohnen in Travemünde
»Travemünde braucht zusätzlichen Wohnraum, insbesondere bezahlbare Wohnungen für Familien mit Kindern. Der Zuzug von Familien mit Kindern muss gefördert werden, damit der Schulstandort gesichert wird. Die Erhaltung des Schulstandorts ist ihrerseits Voraussetzung dafür, dass junge Familien nach Travemünde ziehen.
Der SPD Ortsverein Travemünde befürwortet deshalb den Bau weiterer Wohnungen.
Am Steenkamp erstellt die städtische die Wohnbaugesellschaft »Trave« bereits 22 neue Wohneinheiten. Die Planung zur Bebauung des Parkplatzes am Baggersand beinhaltet auch 30 geförderte Sozialwohnungen. Das ist uns wichtiger als Luxuswohnungen am Fischereihafen. Darüber hinaus haben wir uns für die Entwicklung neuer Wohngebiete im Bereich der Teutendorfer Siedlung und am Howingsbrook eingesetzt. Schließlich erhoffen wir uns auch für die Flüchtlingsunterkunft an der Ostseestraße eine Belegung durch Familien mit Kindern. Auch davon kann Travemünde profitieren.
Wir begrüßen aber auch den Bau neuer Hotels an der Strandpromenade und am Lotsenberg. Und wir fordern die Entwicklung des brachliegenden Platzes vor dem Strandbahnhof und der Bertlingstraße.
Travemünde braucht zusätzliche Hotelbetten, denn es lebt auch vom Tourismus. Geschäfte und Gaststätten können nicht allein vom Tagestourismus leben, sondern brauchen einen größeren Grundstock an Übernachtungsgästen.
Diese und die ebenso nötigen Tagesgäste brauchen Parkmöglichkeiten und müssen diese finden. Genauso wie übrigens auch die fast 13.500 ständigen Einwohner, von denen wenig die Rede ist.
All dies macht es aber auch erforderlich, ein Konzept für die Lenkung des fließenden und die Unterbringung des ruhenden Verkehrs zu entwickeln. Dies hätte eigentlich schon längst parallel zu den baulichen Planungen erfolgen müssen.
In seiner Sitzung vom 09. Juli 2014 hat der Ortsrat Travemünde auf Initiative des SPD Ortsvereins an die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck appelliert, ein Gesamtverkehrskonzept für unseren Stadtteil zu erstellen. Ein Konzept, das natürlich auch die Bedürfnisse von Fußgängern und Radfahrern und den ÖPNV berücksichtigt. Diese Forderung wurde von der Fraktion der SPD aufgegriffen und von der Bürgerschaft am 26. Februar 2015 als Auftrag an die Verwaltung beschlossen. Wo bleibt es?
Am 11. 11. 2015 wurde im Ortsrat ein Maßnahme- und Ablaufplan vorgestellt. Danach sollten
- im Frühjahr 2016 die Träger öffentlicher Belange sowie die Bürgerinnen und Bürger beteiligt werden,
- bis Mitte 2016 die Handlungsmöglichkeiten ermittelt werden,
- sodann ein Konzept erstellt und die Gremien beteiligt werden
- im Jahre 2017 die Umsetzung des Konzepts erfolgen.
Am 08. 06. 2016 hieß es dann, dass es in Kürze (noch vor den Sommerferien) eine erste Beteiligung von Verbänden in Travemünde geben werde. Im September solle das Ergebnis mitgeteilt werden. Danach solle es in die öffentliche Diskussion gehen. Bis Ende des Jahres sollen die Diskussions- und Lösungsvorschläge besprochen werden. Im 1. Quartal 2017 solle dann die Grundlage für das Verkehrskonzept stehen.
Tatsächlich ist bisher inhaltlich von einem Gesamtkonzept nichts zu erkennen. Aber überall wird gebaut oder werden Grundstücke zur Bebauung vorbereitet, ohne dass auch nur ansatzweise erkennbar ist, wo der Verkehr fließen und wo er zur Ruhe kommen soll. Die Befürchtung, dass der Bestand an Parkplätzen sich drastisch und dauerhaft reduziert, ist nicht von der Hand zu weisen.
Für Wohnbauten am Fahrenberg/Godewind wurde der dortige Parkplatz weitgehend aufgegeben. Der Beschluss der Bürgerschaft, auf der verbleibenden Fläche durch die Erstellung einer Parkpalette die bisherige Anzahl von Stellplätzen zu erhalten, wird von der Verwaltung ignoriert.
Ebenso wurde (auf der Ortsratssitzung am 11.11.2015) zugesagt, für den Parkplatz am ehemaligen Aqua Top Ersatz an der Verlängerung der Paul-Brümmer-Straße auf dem vormaligen Bauhofgelände zu schaffen. Und zwar vor der Aufhebung des Parkplatzes zum Baubeginn des Aja Hotels. Inzwischen wurde mit dem Bau begonnen; vom Ersatzparkplatz ist nichts zu sehen.
Ohne Rücksicht auf das ausstehende Gesamtkonzept plant der Kurbetrieb im Zusammenhang der Travepromenade die Aufhebung der Trelleborgallee als Fahrstraße und eine drastische Verkleinerung des Parkplatzes Leuchtenfeld. Die alte Idee, dort einen Landschaftspark zu schaffen, ist hübsch, aber vor allem alt. Wenn drum herum immer mehr Parkmöglichkeiten wegfallen, wird Travemünde auf diesen zentralen Parkplatz vorerst nicht verzichten können.
Viele Travemünder befürchten deshalb, dass auch am Baggersand gebaut wird, bevor ein gleich großer Ersatzparkplatz fertig ist. Im Bauausschuss steht am 07. November die Entscheidung über die Einziehung des jetzigen Parkplatzes auf der Tagesordnung. Die Vorlage sieht ausdrücklich vor, dass »die Verlagerung der 400 Parkplätze auf den Ersatzstandort an der Travemünder Landstraße vor Aufgabe des Parkplatzes Baggersand vollzogen werden muss«. Hier darf man also noch hoffen.
Ratlosigkeit herrscht aber auch bei der schon lange überfälligen Erneuerung des Umfeldes des Strandbahnhofs. Die bauliche Gestaltung hängt an Investoren, für die der Abriss ortstypischer alter Villen zugunsten von Appartementhäusern mit Ladenzeilen eine Vision ist. Aber es darf schon mal gebaut werden (zum Glück erst nach Beteiligung des Gestaltungsbeirats). Im Gespräch mit dem Senat im September 2014 war dem Ortsrat noch erklärt worden, dass die bauliche Entwicklung erst nach der Verkehrsentwickung in diesem Bereich vorgenommen werden könne. Aber die gibt es nicht.
Nach wie vor ist der Weg vom Strandbahnhof zum Strand keine Flanierstraße, sondern eine Hauptader des Autoverkehrs. Der kommt über den Moorredder nach Travemünde herein, findet auf dem verkleinerten Godewindparkplatz und in den im Sommer zugeparkten Wohnstraßen rundum keine Ruhe und schwappt in die Bertlingstraße, um weiterzusuchen und stockt schließlich vor der Vorderreihe, in der mangels Personalkapazität nicht einmal klar ausgeschildert werden kann, wer die Fahrbahn benutzen darf.
Wo bleiben die Ergebnisse der angekündigten Erhebungen zur Verkehrsbelastung in Vor- und Hauptsaison? Wann kommt die in Aussicht gestellte Bürgerbeteiligung? Wer interessiert sich für die Ideen, die die Einwohner selbst beisteuern könnten? Oder soll am Ende ein fertiger Entwurf abgenickt werden? Vielleicht ein Konzept, das den inzwischen vollendeten Tatsachen hinterherhechelt? PM
Quelle: Text: Pressemitteilung SPD-Ortsverein Travemünde Claus F. W. Pätow, Foto: Karl Erhard Vögele











