BLAULICHT
Travemünde 28.06.2016
Realistische Übungs-Rettungseinsätze der DLRG in Travemünde
Schülerinnen und Schüler aus Stade zeigten ihr Können
»Für zehn Schülerinnen und Schüler aus dem niedersächsischen Stade verlängerte sich die Schulzeit in diesem Jahr um zwei Ferientage. Die Gymnasiasten kamen mit ihrem AG-Leiter nach Travemünde, um hier den Wasserrettungsdienst zu übernehmen.
Als 2014 die zahlreichen Todesmeldungen von der Ostseeküste die Nachrichten dominierten, beschloss das Gymnasium Athenaeum in Stade, in diesem Bereich gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Das Schulprojekt Rettungsschwimmen / Wasserrettungsdienst wurde ins Leben gerufen. Ziel ist es, junge Menschen so auszubilden, dass diese Verantwortung übernehmen und an den ehrenamtlichen Dienst an der Gemeinschaft herangeführt werden können. AG-Leiter Markus Scheliga, eigentlich Deutsch- und Politiklehrer, fand hier ein spannendes Aufgabenfeld und organisierte die AG als Kooperationsprojekt zwischen dem Athenaeum, der DLRG Stade und der DLRG Travemünde sowie dem Chemiekonzern DOW Chemical.

Die Oberstufenschüler erhalten kostenfrei eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer, einen Erste-Hilfe-Kurs, eine Bezuschussung zu der erforderlichen Einsatzkleidung und dank einer Spende des Handwerkervereins »50plus« konnten die Schüler ohne zusätzliche Kosten auf der PASSAT beherbergt werden.

In Travemünde angekommen wurden die Sechzehn- bis Achtzehnjährigen in die Hände des Wachleiters Frank Hertlein sowie den DLRG-Ausbildern übergeben, welche sich in den sieben Tagen des Nachwuchses annahmen. Alle Schüler wurden so fortgebildet, dass sie jederzeit zur Hauptsaison wiederkommen und den Wachdienst übernehmen können. Zum Ausbildungsrepertoire gehören hier die umfassende Einweisung in das Funken, Knotenkunde, Kenntnisse bei der Sauerstoffversorgung eines Notfallpatienten und die wirbelsäulengerechte Rettung aus dem Wasser bei anzunehmenden Wirbelsäulenfrakturen, wie sie bei den zahlreichen Brückenspringern immer einmal wieder vorkommen. Des weiteren wurden die Athenaeer auf beiden Booten geschult, dem Motorrettungsboot Lumpi und dem schnellen Schlauchboot Travemünde, ein sogenanntes IRB (Inflatable Rescue Boat), welches ursprünglich für die neuseeländische Brandungsrettung konzipiert wurde. Außerdem wurde der Umgang mit allen gängigen Rettungsmitteln wiederholt.

Dass diese Einweisungen und Erste-Hilfe-Kenntnisse durchaus sinnvoll sind, zeigte sich besonders an zwei schwerwiegenderen Einsätzen, welche in dieser Woche von der Wachmannschaft bewältigt werden mussten.

Eine 75-jährige Radfahrerin fuhr auf der Promenade in voller Fahrt gegen einen massiven Laternenmast und wurde von der DLRG erstversorgt und im Sanitätsraum untersucht. Da eine Hüftschädigung zu vermuten war, alarmierte die Hauptwache die Rettungsleitstelle und die Frau wurde ins Krankenhaus gefahren, wo sich herausstellte, dass eine Gehirnerschütterung sowie ein Beckenbruch vorlagen.

Den zweiten Vorfall meisterte die Besatzung des Motorrettungsbootes Lumpi, welche hinter der Badezone in Bereitschaft lag. Die dreiköpfige Besatzung vernahm leise Hilferufe und versuchte, diese zu orten. Das Boot fuhr in die Badezone hinein und sah dort einen jungen Mann, der auf halber Strecke zwischen Badeinsel und Strand mit Krämpfen kämpfte, bereits unterging und Wasser geschluckt hatte. Sofort fuhr die Lumpi heran, ein Schwimmer sprang vom Boot ins Wasser, legte dem Verunfallten den Gurtretter um und schleppte ihn zurück in Stehtiefe, wo er übernommen wurde und Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden konnten.

Beide Unfälle hätten lebensbedrohlich enden können, doch exakt für diese Art von Hilfe wurden die Schülerinnen und Schüler seit Februar ausgebildet. Der Erfolg des Projekts spricht für sich, denn noch in diesen Sommerferien werden sieben Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Athenaeum den Wachdienst in Travemünde erneut übernehmen, dieses Mal in der Hauptsaison.« Markus Scheliga
Fotos Karl Erhard Vögele