POLITIK 2 2
Travemünde 28.06.2010
Petersen zum Aqua-Top-Skandal: »Eindeutig ein Versagen des Bürgermeisters mit seinen Senatoren«
Für 500.000 Euro eine verbretterte Ruine geschaffen – Mietausfälle und Abfindungen bescheren Stadt Riesen-Verluste ohne jedes Ergebnis

Der Schuss dürfte wohl nach hinten losgegangen sein, denn die Maritim Hotelgesellschaft in Bad Salzuflen weist nach wie vor darauf hin, dass »ein schlüssiges und mit der Feuerwehr abgestimmtes Rettungskonzept« nicht vorliegt (TA berichtete). Ohne Rettungsplan will die Hotelgesellschaft dem Abriss des Aqua-Top nicht zustimmen. Die Sache kann sich noch Jahre hinziehen.
Wie die Lübecker Tageszeitung HL-live.de heute berichtet, summieren sich Mietausfälle für die entmieteten Geschäftsräume und geplante Abfindungen für Mieter auf rund 500.000 Euro allein für dieses Jahr. »Das einzige, das man dafür bekommen hat, ist, dass es eine Ruine ist, die verbrettert worden ist«, meint Klaus Petersen (CDU). »Im Grunde nichts, das ist ein einziges Versagen der Verwaltung.« Die Eckpunkte des Vertrages mit der Hotelgesellschaft hätte die Bürgerschaft schon vor über zwei Jahren beschlossen, meint Petersen. Dass man da nicht zu einer Einigung kommt, sei schon skandalös. Petersen: »Eindeutig ein Versagen des Bürgermeisters mit seinen Senatoren, das muss man eben so sehen.«
Auch Peter Sünnenwold, Ehrenvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) spricht von einem Skandal: »Was jetzt hier stattfindet, dass man die Mieter rausgesetzt hat, dass die Fenster zugenagelt worden sind mit Brettern, das ist im Grunde genommen für ein Seebad wie Travemünde skandalös. Das sieht aus, als wenn wir hier nach dem Krieg, nach einem Bombenangriff grade die Saison wieder eröffnet haben.« Er hat kein Verständnis dafür, dass die Geschäfte nicht weiter vermietet wurden, wenigstens bis nach der Saison. »Dann hätte hier wenigsten Leben geherrscht.«

Die jetzige Situation schädigt bereits Gewerbetreibende auch außerhalb des Aqua-Top-Komplexes: Nico vom Bungee ist in seiner 7. Saison am Strand unterhalb des Aqua-Top. Ungefähr genauso lange, seit dem 31. Dezember 2003, ist das Schwimmbad dauerhaft geschlossen, wegen Baufälligkeit. Bisher war das nur nicht so sichtbar. Dank der leeren Läden mit den Spanplatten sieht man es jetzt.

Nico spricht aus, was viele denken: »Die Bauruine die da oben steht mit den Grobspanplatten davor geschraubt sieht aus wie vor 20 Jahren in der ehemaligen DDR«, sagt er. Das halte Gäste auch davon ab, auf dieser Ecke den Strand zu besuchen, man kann ja keine Zeitung mehr kaufen, kein Stück Pizza. Und deshalb geht er manchmal mit 15 Euro Tageseinnahme nach Hause. Wenn doch einer an den Strand kommt, kriegt Nico was zu hören: »Die Leute finden das sehr sehr schrecklich, was hier geschieht, gerade dass ein Geschäft leer steht in der 1-A-Lage, wo die Touristen eigentlich hinkommen«, erzählt er.
Der Lübecker Senat um Bürgermeister Bernd Saxe macht derweil unbeirrt weiter, aber möglicherweise nicht mehr allzu lange. Peter Sünnenwold (CDU) wird deutlich: »Ich erwarte, dass in diesem Jahr eine Entscheidung getroffen wird. Wenn das nicht passiert, dann muss man sich politisch wirklich Gedanken machen, wer hierfür die Verantwortung und auch die Konsequenzen trägt.« TA
Externer Link zum Thema: »AquaTop: 350.000 Euro für den letzten Mieter?«, Artikel auf HL-live.de vom 28.06.2010
1 https://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=62103














