ORTSGESCHEHEN
Travemünde 12.06.2009
Waterfront:
Ist die Stadt zu stur, um mit ihren eigenen Bürgern zu sprechen?

Dabei wird von Seiten der Vereine eine Bebauung grundsätzlich begrüßt. Für Probleme wie die Winterlagerung von Booten haben die 17 Vereine bereits Lösungsvorschläge unterbreitet. Für einen lebendigen Sporthafen würden auch Flächen für Winterlagerung und zur Nutzung durch die »Travemünder Woche« gebraucht. Auch diese Großveranstaltung sei durch die Maßnahmen der Stadt in hohem Maße gefährdet.
Auf Nachfrage erklärte Hans-Jürgen Blunck vom Turn- und Sportbund Lübeck, falls die Vereine in die Planung mit einbezogen würden, gehe man davon aus, dass eine einvernehmliche Lösung möglich sei. Bislang scheint das nicht der Fall zu sein, weshalb die Vereine nun an die Öffentlichkeit gehen. TA
Pressemitteilung des Turn- und Sportbundes Lübeck im Originaltext:
Passathafen, seien Bedeutung für den Wassersport und den Tourismus
1. Sport politische Bedeutung
Der Passathafen ist gemäß der Benutzungsordnung für den Passathafen lediglich für Wassersportfahrzeuge freigegeben, die nicht in der gewerbsmäßigen Personen- oder Güterbeförderung eingesetzt sind, d.h. es ist keine Marina, die auch für Charterfirmen zur Verfügung steht sondern letztendlich nur für Wassersportvereine, die dem Turn- und Sportbund der Hansestadt Lübeck, dem Landessportverband oder dem deutschen Seglerverband angeschlossen sind. Dies erklärt auch, dass die etwa 600 Boote im Hafen aus 17 Lübecker Vereinen kommen. 150 Boote nutzen in umliegenden Hallen und Freiflachen das Winterlager.
Darüber hinaus ist der Passathafen eine der wesentlichen Anlaufpunkte für sportliche Veranstaltungen wie z.B. die Travemünder Woche. Hierfür stehen bislang 20.000 qm für das Abstellen von Trailern, Wohnmobilien und als Zeltplatz zur Verfügung.
Im einzelnen sind es:
- Seesegler und Kielboote im Hafen zur TW, ca. 250 Kielboote / TW Teilnehmer
- Landlieger auf der Priwallseite, ca. 150 Boote zur TW Parkplätze für ca. 350 PKW und 350 Trailer zur TW
- Genutzte Flächen am Hafen, Halle 4/ Kuhle / Sudermole / Kohlenhof
Neben der Travemünder Woche finden regelmäßig auch Meisterschaften oder hochrangige Ausscheidungen im Jugendbereich (EM WMA der Optimisten oder 420iger) statt.
Nur in einer vollständigen Struktur, Sommer- und Winterlager und den entsprechenden dazu gehörigen Einrichtungen ist dieser Hafen wirtschaftlich zu betreiben. Diese Erkenntnis scheint sich bei der Lübecker Politik noch nicht durchgesetzt zu haben. In anderen Sporthafenprojekten (Marina Boltenhagen, Ancora Neustadt, Grömitz, Burg Tiefe) sind diese Zusammenhänge selbstverständlich.
2. Wirtschaftliche Bedeutung
Der Passathafen als wirtschaftlicher Eigenbetrieb schreibt schwarze Zahlen in der kompletten Struktur sowie er derzeit existiert. Bei Aufgabe des Winterlagers entstehen nicht nur Einnahmeausfälle für das Winterlager selbst (rund 65.000,- €) sondern es entfallen die dazu gehörigen 300 Kranungen sowie das Mastenlager. Der Gesamteinnahmeausfall des Passathafens kann auf rund 90.000,- € p.a. beziffert werden. Mit diesem Einnahmeverlust schreibt der Hafen dann dauerhaft rote Zahlen.
Eine Einnahmeerhöhung über Erhöhung der Liegeplatze ist wirtschaftlich nicht vertretbar, da die derzeitigen Preise im Wesentlichen Marktpreise sind und sich auf dem Niveau der umliegenden Häfen bewegen. Eine Erhöhung der Preise würde zu erheblichen Abwanderungen führen. Eine besondere Situation des Passathafens ergibt sich aus der Benutzungsordnung, die schon erwähnt wurde. Es handelt sich hier um einen Hafen für die Lübecker Wassersportvereine, um den Wassersport zu fördern. Nur aus diesem Grunde hat die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung gegenüber der Hansestadt Lübeck auf eine Wasserpacht verzichtet. Jede Änderung des Status würde für einen neuen Betreiber (falls die Stadt den Hafen veräußern würde) zu einer Erhöhung der Kostensituation führen und das, ohne die Möglichkeit, einen vollständigen Hafenbetrieb anbieten zu können. Insofern ist für die Hansestadt Lübeck hier mit einer nachhaltigen, dauerhaften Verlustsituation zu rechnen.
Im Übrigen werden die bisherigen Überschusse zum Teil auch für die Erhaltung der Passat verwendet.
3. Touristische Entwicklung des Priwalls
Die geplante und teilweise durchgeführte Bebauung durch die Planet-Hausbau AG (Hollesen) wird von den Seglern im Wesentlichen begrüßt, da es offensichtlich einen Bedarf für diese Häuser auf dem Priwall gibt und die dafür notwendigen Flächen zum Teil als Brachland zur Verfügung stehen.
Die Gesamtanhandgabe des Grundstücks am Passathafen an die Priwall-Waterfront AG (Hollesen) ohne eine EU-Ausschreibung, ohne ein städteplanerisches Konzept oder touristische Bedarfsanalyse halten die Segler für grob fahrlässig.
Die finanziellen Risiken, die mit dieser Investition verbunden sind, sind für die Hansestadt erheblich. Die Einnahme aus dem Verkauf des Grundstucks von maximal 5,5 Mio Euro wird nach unserer Einschätzung nicht ausreichen, um die Kosten der Hansestadt zu decken. Die zur Veräußerung anstehende Fläche ist durch zwei langfristige Pacht- (Erbpacht-) Verträge belastet. Das Risiko für die Stadt liegt hier zwischen 1,3 und rund 3 Mio Euro. Die rechtliche Voraussetzung bei Ausübung des Heimfallrechtes der Hansestadt ist außerordentlich umstritten und zieht lange Gerichtsverfahren nach sich.
Dies bringt das Projekt zwar nicht grundsätzlich in Verzögerung, jedoch ist der Investor (Priwall-Waterfront) berechtigt, gemäß Kaufvertrag die Mehrkosten der Planung und der Baukosten der Stadt zusätzlich in Rechnung zu stellen. Bei einem Bauvolumen von geschätzten rund 100 Mio Euro sind da ein bis zwei Prozent noch eher als gering anzusetzen.
Darüber hat das Grundstück wahrscheinlich ökologische Altlasten, deren Beseitigung die Hansestadt Lübeck ebenfalls übernommen hat. Die Hansestadt Lübeck hat sich auch verpflichtet, die Gestaltung der Promenade am Passathafen auf eigene Rechnung zu übernehmen in Verbindung mit den dauerhaften Einnahmeverlusten aus dem Betrieb des Hafens ist schon bei grobem Überschlag ersichtlich, dass dieses Geschäft für die Hansestadt Lübeck verlustreich ist.
In den Gesprächen mit der Hansestadt Lübeck haben die Segler den verantwortlichen in der Verwaltung Alternativen für Winterlagerung aufgezeigt, um die Einnahmeverluste des Passathafens zu vermeiden.
Ein Vorschlag war, den natürlichen Waldrand zu nutzen und am Waldrand einen 15 Meter breiten gepflasterten Streifen zu schaffen, der im Sommer für Parkmöglichkeiten genutzt werden kann und auf dem im Winter die Boote eingelagert werden können. Angeblich stieß dieser Vorschlag bei dem Investor auf Ablehnung.
Eine zweite Alternative für die städtischen Winterlagerplätze ergeben sich bei den Gebäuden des ehemaligen Krankenhauses, von denen zwei als Bücher- und Dokumentenlager genutzt werden. Die teilweise sehr wertvollen Dokumente benötigen besondere klimatische Bedingungen, die bei diesen Gebäuden offensichtlich in idealer Weise gegeben sind. Nach Prüfung durch die Stadt ist bislang keine Alternative Lagerung gefunden worden.
Unser Vorschlag ist, diese Gebäude weiterhin zur Bücherlagerung zu benutzen und die Freiflächen dazwischen als Winterlager und im Sommer als Parkplätze auszuweisen. Damit wäre die Einnahmesituation des Passathafens ohne große Einschränkung der Gesamtinvestition erhalten.
Für den Seglerverein Herrenwyk gibt es eine Lösung, die ebenfalls ohne das Abholzen wertvoller Baumbestande erfolgen könnte. Die westliche Landzunge des Passathafens soll zu Gunsten eines Hotels und zu Lasten der Kanuten abgeholzt werden. Im dahinter liegenden Bereich ist kein hochwertiger Buchenmischwald sondern ebenso wie auf der Landzunge im wesentlichen Pappelgehölz. Auf dieser Fläche bestünde die Möglichkeit einer Verlagerung des Seglerverein Herrenwyk.
Fazit:
Die geplante Maßnahme steht der Hansestadt Lübeck als »Sportstadt« nicht gut zu Gesicht. Eine der größten deutschen Segelveranstaltungen wird durch eine touristische Maßnahme in hohem Maße gefährdet. Wenn dem Investor oder der Stadt an einem lebendigen und aktiven Sporthafen gelegen ist, ist es unerlässlich, die entsprechenden Flächen für Winterlager oder Nutzung der Travemünder Woche zur Verfügung zu stellen. In vielen anderen Häfen funktioniert die Symbiose zwischen Wassersport und landseitigem Tourismus.
Nur ein aktiver Passathafen ist auch weiterhin im Sommer für zahlreiche Gastlieger attraktiv und belebt das Hafenbild. Nur dann gelingt auch die Ansiedlung maritimer Geschäfte oder Gewerbe wie vom Investor geplant.
Die 17 Vereine stehen zur Verfügung, eine gemeinnützige GmbH zu gründen, um den Status Sporthafen zu erhalten. Eine solche Betreibergemeinschaft kann der Stadt jedoch nur dann angeboten werden, wenn sichergestellt werden kann, dass der Status in Bezug auf die Wasserpacht unverändert bleibt und wenn der gemeinnützigen GmbH auf dem Priwall Winterlagerplätze in Hafennähe nachgewiesen werden können.
Hans-Jürgen Blunck, Turn- und Sportbund der Hansestadt Lübeck














