BLAULICHT
Travemünde 01.12.2012
Drama am Rande des Weihnachtsmarktes:
Faire Gastronomen retten Seemann aus der Trave

Zwei Männer sollen am Freitagabend in offenbar angetrunkenem Zustand auf dem Weihnachtsmarkt direkt an der Trave erschienen sein. Die Veranstalter hatten den beiden bereits mehrfach bedeutet, die Veranstaltung zu verlassen. Als Gastronom Ewald Hagemann vorsichtshalber nachsah, wohin die beiden gingen, sah er einen der beiden von der Kaimauer ins Wasser fallen. Der Mann hatte auf sein Schiff gewollt, das am Ostpreußenkai festgemacht hatte.
Gastronom Ewald Hagemann rief seine Kollegen Eiko Zöllner-Quanz und Marco Büttner von der »Interessengemeinschaft faire Gastronomie Travemünde« zu Hilfe. Der Verunglückte war zunächst nicht zu sehen. »Dann gurgelte da etwas im Wasser und dann tauchte er auf einmal wieder auf«, berichtet Eiko Zöllner-Quanz von den dramatischen Minuten. Er schrie den Mann an, dass er die inzwischen besorgte Rettungsstange festhalten solle. Ein Besatzungmitglied des Schiffes reichte einen Tampen rüber. Eiko Zöllner-Quanz, der über Seefahrt-Erfahrung verfügt, knotete einen Palsteg. Der Verunglückte Seemann steckte seine Arme hindurch und konnte dann mit vereinten Kräften von den Gastronomen nach oben gezogen werden.
»Das ganze hat so fünf bis sechs Minuten gedauert, das war unserer Meinung nach auch schon lebensbedrohlich«, sagt Eiko Zöllner-Quanz. Polizei und Notarzt waren zwischenzeitig gerufen worden und konnten den Mann dann weiter versorgen.
Am Sonnabend kamen Besatzungsmitglieder des Schiffes auf den Weihnachtsmarkt und bedankten sich noch einmal bei den Gastronomen für die Rettung ihres Kameraden. TA
Nachtrag 03.12.2012: Die Pressemitteilung der Wasserschutzpolizei zum Thema im Wortlaut:
Am Freitagabend, den 30.11.2012, um 21.00 Uhr fiel in Travemünde ein Maschinist beim an Bord gehen seines am Ostpreußenkai festgemachten Schleppers ins Wasser. Zum Glück hatten Zeugen den Unfall gesehen und konnten ihn nach kurzer Zeit aus der Trave retten.
Zuvor hatte der 69-jährige Hamburger zusammen mit einem Besatzungsmitglied an Bord seines am Ostpreußenkai festgemachten 33 m langen Schleppers »Mistral« nicht unerhebliche Mengen Alkohol getrunken. Danach begaben sie sich noch auf den Weihnachtsmarkt am Ostpreußenkai. Hier wurde ihnen weiterer Alkoholgenuss aufgrund ihres offensichtlichen Trunkenheitszustands verweigert. Als sie sich dann wieder in Richtung ihres Schiffes begaben wurden sie von einem Gastronom beobachtet. Beim Versuch des Maschinisten, an Bord seines Schleppers zu springen, verfehlte er das Schanzkleid, rutschte ab und stürzte in die 6,5 °C kalte Trave, zwischen Schiff und Kaimauer. Mittels einer sofort herbeigeholten Rettungsstange konnte er nach kurzer Zeit von drei Gastronomen, die den Unfall zum Glück gesehen hatten, gerettet werden. Ein Rettungswagen brachte den Verunglückten mit Verdacht auf Unterkühlung in die Sana-Klinik. Lebensgefahr besteht nicht. Da ein gesetzlich vorgeschriebener Landgang fehlte, hat die Wasserschutzpolizei Lübeck-Travemünde ein Ermittlungsverfahren gegen den verantwortlichen 49-jährigen Kapitän aus Hamburg eingeleitet. KD
Originaltext Landespolizeiamt Schleswig-Holstein – Abt. 4 – Wasserschutzpolizei












