KULTURPOLITIK 4 213
Travemünde 18.08.2017
Ein »Haus der Kultur« im Hafenbahnhof?
Die Hamburger Eigentümer haben der Kulturbühne zwar zum Jahresende gekündigt. Doch dem Verein soll eine Verlängerung des Mietvertrages für 2018 angeboten worden sein, erklärt Kultursenatorin Kathrin Weiher und beruft sich dabei auf eine Email des Rechtsanwaltes der Kulturbühne. Außerdem habe der Architekt der neuen Eigentümer erklärt, dass die ursprüngliche Idee eines Jugendhotels vom Tisch sei. Sie habe dem Kulturbühnen-Vorsitzenden Wolfgang Hovestädt empfohlen, den Vertrag für 2018 zu verlängern, erklärte Weiher auf Nachfrage von »Travemünde Aktuell«.
Weiter würden bereits Ideen für die Zukunft entwickelt. Etwa, den Hafenbahnhof zu einem »Haus der Kultur« zu machen. Mit Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff hat Kathrin Weiher bereits über Möglichkeiten gesprochen, den Kurbetrieb in den Hafenbahnhof umziehen zu lassen. Das hätte noch einen Vorteil: Der Kurbetrieb nutzt derzeit Räumlichkeiten in der Stadtschule Travemünde. Die hätte zurzeit aber so viele Schüler, dass sie die Räumlichkeiten mittelfristig selbst gut brauche könnte. Auch im Hinblick auf weitere Schüler durch die geplanten neuen Wohngebiete.
Trotz aller Aktivitäten im Hintergrund wirft die SPD der Kultursenatorin nun in einer Pressemittelung vor »Es scheint einfacher zu sein in Eröffnungszeremonien und Sonntagsreden in Kultur zu schwelgen als Unterstützung dort zu leisten, wo es jetzt einmal erforderlich ist« (Kompletter Text siehe Kasten unten). TA
Die Pressemitteilung der Lübecker SPD Bürgerschaftsfraktion im Wortlaut:
MEDIENINFORMATION
KULTURBÜHNE IN TRAVEMÜNDE VOR DEM AUS
EIN ATTRAKTIVES ANGEBOT DROHT TRAVEMÜNDE VERLOREN ZU GEHEN
Der Initiator und Betreiber der Kulturbühne Wolfgang Hovestädt hat vor wenigen Tagen öffentlich erklärt, dass die Kulturbühne nun vor dem Aus stehe und er notgedrungen mit seinem Angebot in einen anderen Seebadort ausweichen muss. Hintergrund ist, dass der neue Besitzer den Mietvertrag zum Ende des Jahres aufgekündigt hat.
Claus Pätow (Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Travemünde): »Wir haben schon vor einiger Zeit auf diese Situation hingewiesen und die Unterstützung für die Kulturbühne eingefordert. Doch sichtbar geschehen ist wenig.«
Mit der Kulturbühne ist in den letzten Jahren ein Angebot in Travemünde entstanden, das die Kulturszene vor Ort sehr bereichert hat. Anfangs vielleicht wenig wahrgenommen, bietet die Kulturbühne ihren Gästen vielfältige und qualitativ sehr ansprechende Veranstaltungen, die in Travemünde ansonsten kaum zu finden sind.
»Nicht nur Touristen wissen dieses tolle Angebot zu schätzen. Bei einem Besuch in der Kulturbühne beeindruckte mich besonders das außerordentliche Engagement des Trägervereins, federführend sei hier das Ehepaar Hovestädt genannt. Die Kulturszene lebt geradezu von solchen Initiativen. Hier ist mit Herzblut ein wertvolles Angebot in Travemünde entstanden, das nun kurz vor dem Aus steht. Das darf nicht sein«, so Hans Müller (Vorsitzender des Arbeitskreises Kultur in der SPD Lübeck).
Der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Peter Petereit äußert hierzu: »Es kann doch nicht angehen, dass wir in Lübeck immer wieder betonen, wie toll wir als Stadt in Sachen Kultur unterwegs sind und jetzt wo eine konkrete Unterstützung für ein kulturelles Projekt in Travemünde zwingend erforderlich wäre, geschieht wenig. Es wird zugesehen wie die Kulturbühne womöglich in absehbarer Zeit Travemünde verlässt. Gefragt ist hier die zuständige Kultursenatorin Weiher, doch von ihr ist jetzt gar nichts zu hören. Oder einmal deutlicher formuliert: es scheint einfacher zu sein in Eröffnungszeremonien und Sonntagsreden in Kultur zu schwelgen als Unterstützung dort zu leisten, wo es jetzt einmal erforderlich ist. Wir setzen uns für den Erhalt der Kulturbühne in Travemünde ein, doch dies bedarf einer breiten Unterstützung.«
Quelle: Pressemitteilung SPD Lübeck vom 17.08.2017
Hinweis: In einer vorherigen Form dieses Artikels hieß es, die Pressemitteilung stamme vom Travemünder SPD Ortsverein. Tatsächlich stammt sie von der Lübecker SPD, in Abstimmung mit dem Travemünder Ortsverein. Red.
Die Kulturbühne wirbt derzeit auf ihrer Internetseite (www.kulturbuehne-travemuende.de) bereits unter dem Motto »Der letzte Abend im Kulturbahnhof« für ihre Abschiedsveranstaltung am 17. Dezember 2017: Die »Auskehrparty« mit der Band Meerklang aus Travemünde















