POLITIK 5 

Travemünde 12.10.2016

Kurze Sitzung zur Bertlingstraße

Sehr gut besucht war am Mittwochabend die Sitzung des Travemünder Ortsrates. Hauptthema war die »Zukunft der Bertlingstraße«. Ein Dauerbrenner in der Diskussion seit vielen Jahren. Trotzdem war die Sitzung nach etwas über eine Stunde schon wieder vorbei.

Der 1. Vorsitzende Gerd Schröder (CDU) eröffnete eine gut besuchte Ortsrats-Sitzung. Fotos: <b>KARL ERHARD VÖGELE</b>
Der 1. Vorsitzende Gerd Schröder (CDU) eröffnete eine gut besuchte Ortsrats-Sitzung. Fotos: KARL ERHARD VÖGELE
Travemünde Aktuell: Kurze Sitzung zur Bertlingstraße

Gleich als Erstes ging der 1. Vorsitzende Gerd Schröder (CDU) auf die Ehrung von Dr. Peter Voeltz (parteilos) für sein Engagement auf dem Volksfestplatz ein (TA berichtete). »Hierzu gratuliert der Ortsrat Travemünde sehr herzlich«, sagte Schröder. Aus Politik und Publikum gab es viel Applaus für den Ehrenamtler.

Der Ortsrat gratulierte Dr. Peter Voeltz (links). Foto: <b>KARL ERHARD VÖGELE</b>
Der Ortsrat gratulierte Dr. Peter Voeltz (links). Foto: KARL ERHARD VÖGELE

Zweiter Punkt war die Ernennung neuer Ortsratsmitglieder. Dabei machte Henning Schumann (CDU) einen guten Eindruck. Der Hamburger lebt seit 14 Monaten in Travemünde und war auch schon in der Hansestadt an der Elbe politisch aktiv. Travemünde kennt er als Sportskipper seit Jahren.

Den Bericht des Vorstandes übernahm die 2. Vorsitzende Sabine Haltern (SPD), die noch einmal auf das 1. Travemünder Familienfest (TA berichtete) vom 17. September 2016 einging, das eine »supertolle Veranstaltung« gewesen sei, die auch im nächsten Jahr wieder stattfinden werde. Auch der Ortsrat war mit einem Stand auf der Veranstaltung vertreten.

Dann ging es zum Hauptthema Bertlingstraße. Der Investor hatte ursprünglich eine verbundene Ladenzeile geplant, die die Straße entlang vom und zum Strandbahnhof führt. Der Denkmalschutz kam dazwischen, die Häuser Tanneck und Am Kurgarten wurden daher nicht abgerissen, sondern saniert. Damit sind die Pläne gescheitert, mehrfach war zu spüren, wie der Frust durchkam. Einzig der Seestern soll aufgrund des schlechten baulichen Zustandes einem Neubau mit Ferienwohnungen und Gastronomie weichen. Der Gestaltungsbeirat soll sich mit den Entwürfen befassen, der Investor hofft im kommenden Jahr bauen zu können.

Bürgerschaftsmitglied Thomas Thalau (CDU) bat daraufhin den Investor, es besser zu machen als bisherige Bauherren. »Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass der Gestaltungsbeirat toll findet, was die Allgemeinheit schrecklich findet«, sagte Thalau, der von »Schachteln mit Löchern drin« sprach. Aus dem Publikum kam dazu Applaus.

»Schachteln mit Löchern drin«: Thomas Thalau (rechts) stellt die Architektur der Travemünder Neubauprojekte infrage. Foto: <b>KARL ERHARD VÖGELE</b>
»Schachteln mit Löchern drin«: Thomas Thalau (rechts) stellt die Architektur der Travemünder Neubauprojekte infrage. Foto: KARL ERHARD VÖGELE

Der Investor versprach, ein »anspruchsvolles Haus« zu bauen. Verwies aber darauf, man unterliege auch Zwängen. Etwa beim Geld.

Rückendeckung bekam der Gestaltungsbereit von der stellvertretenden Ortsratsvorsitzenden Sabine Haltern (SPD). Es seien schon oft Investoren mit ihren Plänen wieder nach Hause geschickt worden. »Gott sei Dank haben wir den«, sagte Haltern zum Gestaltungsbeirat, einem Gremium aus externen Architekten, das Neubauprojekte in Lübeck bewertet.

Sabine Haltern (SPD) verteidigte die Arbeit des Gestaltungsbeirates. Foto: <b>KARL ERHARD VÖGELE</b>
Sabine Haltern (SPD) verteidigte die Arbeit des Gestaltungsbeirates. Foto: KARL ERHARD VÖGELE

Für den Erhalt historischer Gebäude sprach sich Strandbahnhof-Eigentümer Ralph Kaerger-Thofern aus. »Was macht Travemünde attraktiv?«, fragte er. »Wir alle freuen uns über historische Bauten«.

Ralph Kaerger-Thofern hält den Erhalt historischer Gebäude für den richtigen Weg in der Bertlingstraße. Foto: <b>KARL ERHARD VÖGELE</b>
Ralph Kaerger-Thofern hält den Erhalt historischer Gebäude für den richtigen Weg in der Bertlingstraße. Foto: KARL ERHARD VÖGELE

Damit kam die Sitzung auch schon fast ans Ende. Der Vorsitzende Gerd Schröder kündigte für die Sitzung am 09. November 2016 das Thema Fischereihafen an. »Sämtliche Investoren kommen, die Stadt kommt«, sagte Schröder und empfahl, rechtzeitig zu erscheinen. Für den großen Saal im Gesellschaftshaus sind nur 130 Personen zulässig. Der GVT-Vorsitzende Rudi Lichtenhagen regte an, gegebenenfalls einen anderen Saal zu suchen, damit nicht wieder Zuschauer abgewiesen werden müssen. Der Vorsitzende Gerd Schröder verwies auf die Kosten der Saalmiete. »Wir haben ja ein Schild: Wegen Überfüllung geschlossen« meinte Lichtenhagen daraufhin.

Am Ende ging Gerd Schröder die skurrilen Gespräche mit der Verwaltung über die verschwundene »Lögenbank« auf dem Ostpreußenkai ein (TA berichtete). Der Ortsrat müsse der Stadt jetzt hundertprozentig nachweisen, dass da eine Bank gewesen sei und dass da Leute drauf saßen, berichtete Schröder. Wer also Fotos von der Lögenbank mit Leuten drauf hat, wendet sich mit Abzügen gern an den Ortsrat. »Ich habe noch nicht aufgegeben«, sagte Gerd Schröder. TA

Artikel-Info:

Artikel veröffentlicht: 12.10.2016, 21:47 Uhr
Aktualisiert: 12.10.2016, 22:18 Uhr
Letzter Zugriff: 16.12.2017, 14:32 Uhr
Aufrufe insgesamt: 1.910; heute: 1; gestern: 2

 

tweet teilen      +1

Kommentare - Älteste Kommentare zuerst.

Kommentar von Christian Jäger am 12.10.2016 [4,4/120]

Diese Ortsratsitzung hätte man sich auch sparen können. Kaum Inhalt, keine Ergebnisse und wenig Neuigkeiten für den interessierten Bürger. Kurios: Die Tagesordnungspunkte 7 bis 10 (Anträge, Fragen und/oder Anregungen seitens des Ortsrates, Einwohnerfragen/-anregungen, Verschiedenes) wurden nicht gesondert aufgerufen oder angekündigt und nach knapp einer Stunde wurde die Sitzung vom Versammlungsleiter kurzerhand für beendet erklärt. Meine Einwohnerfrage werde ich jetzt wohl schriftlich an den Orstrat stellen müssen.

Bewerten Sie diesen Kommentar!

 

Kommentar von Georg Groeg am 13.10.2016 [4,9/109]

Hallo Herr Jäger, ja, richtig, eingentlich hätte man sich diese Sitzung des Ortsrates sparen können. Dennoch: so deutlich habe ich bislang noch nie erlebt, dass ein führendes Mitglied der Verwaltung mit so viel Worten rein gar nichts gesagt hat und auch noch für mich den Eindruck rüber brachte, dass man offenbar derzeit gar kein Interesse hat, etwas Entscheidendes an der Bertlingstraße zu tun, auch nicht initiativ werden will und sowieso kein Geld da ist. Private Initiativen läßt man am ausgestreckten Arm verhungern. Der Direktor des A-ROSA hat es auf den Punkt gebracht: »Über was soll man denn hier reden, es ist ja nix da, worüber man reden könnte.« Ein Trauerspiel, welches Interesse die Lüb’sche Verwaltung und offenbar auch die Politik an Travemünde hat. Das zu zeigen, hat die Ortsratsitzung gebracht. Deswegen war sie für mich wichtig und es war gut, dass das so überdeutlich geworden ist. Wir müssen uns gegen sowas wehren!

Bewerten Sie diesen Kommentar!

 

Kommentar von Evelin Herold am 14.10.2016 [1,6/97]

Wie wäre es, wenn die Travemünder sich mal ernsthaft mit der Frage beschäftigen würden, ob nicht doch eine Trennung von Lübeck möglich ist?

Bewerten Sie diesen Kommentar!

 

Kommentar von Georg Groeg am 14.10.2016 [1,8/92]

@ Evelin Herold: In Travemünde leben 6,2% der Lübecker Bevölkerung. Würde uns Ostholstein übernehmen, müssten wir wohl auch 6,2% unserer Schulden mitnehmen, das wären dann 6,2% von 1,5 Milliarden (Zahlen aus anderen Statistiken sind niedriger) rund 98 Millionen EURO. Den Skandikai (Hafen) vielleicht auch noch, der möglicherweise schon rote Zahlen schreibt. Oder soll der mit seinen schönen Flächen für Wohngebiete hierbleiben? Der Kreis Ostholstein hat rund 199 Millionen Schulden. Würde der Busverkehr bleiben? Die Müllabfuhr? Die Schulen so wie sie sind? Der Rettungsdienst? Das Alles müsste auf den Prüfstand. Der Anschluss an OH müsste wohl durch eine Gemeindegebietsreform durch den Landtag beschlossen werden und vielleicht müsste eine Volksabstimmung vorausgehen. Würde die Lübecker und Ostholsteiner Bevölkerung zustimmen? Ich glaube nicht! Sie und Ich schon! Denn diese Gebiete gehören zusammen.

Bewerten Sie diesen Kommentar!

 

Kommentar von Evelin Herold am 14.10.2016 [1,2/88]

@ Georg Groeg: Nur weil man einen Berg von Problemen sieht, heißt das doch nicht, dass man nicht mal laut darüber nachdenken sollte! Wenn Travemünde bei Lübeck bleibt, gibt es nicht unbedingt weniger Schwierigkeiten für den Ort.

Bewerten Sie diesen Kommentar!